Gerade unsere Berichte sind doch immer wieder mit Fachbegriffen gespickt! Zudem kommen doch einige unserer Homepage Besucher aus anderen Sparten des Reitens oder gar nicht aus dem Reitsport (oh Schreck !!)
Deshalb werden wir unter Wissenswertes Disziplinen des Westernreitens, etwas über die Geschichte, die Ausrüstung, die Pferde und so weiter langsam erzählen.
Westernreiten eine Gebrauchsreiterei
Im sogenannten "Wilden Westen" war man auf Pferde angewiesen, um das Vieh zu betreuen. Ein gutes Pferd musste schnell und wendig sein, um ein davonstürmendes Rind einholen zu könne; zudem musste es trittsicher und ausdauernd sein sowie Nervenstärke besitzen. Diese Anforderungen wirkten und wirken sich auf dei Westernreiterei und die Zucht der Westernpferde aus.
Das Westernpferd
Das Westernpferd wird so ausgebildet, dass es sich in natürlicher Selbsthaltung tragen kann und dem Reiter einen passiven Sitz erlaubt. Aktive Schenkel-, Gewichts- oder Zügelhilfen werden nur eingesetzt, wenn der Reiter Gangart, Tempo oder Richtung ändern will. Angeritten wird das Pferd wie in der klassischen Reitweise zweihändig - Ziel ist aber ein einhändig lenkbares Pferd, das mitdenkt und sich trotz minimalen Hilfen immer unter der Kontrolle des Reiters befindet.
Es bewähren sich vor allem kleine, quadratische Pferde mit kräftiger Hinterhand und ausgeglichenem Wesen. Ein Westernpferd muss intelligent, sensibel und lern- sowie leistungsbereit sein. Es soll trittsicher, nervenstark und sicher im Gelände sein
Prinzipiell eignet sich jede Pferderasse für die amerikanische Reitweise - so auch Freiberger, Haflinger, verschiedene Ponyrassen und Araber. Durch gezielte Zucht entstanden in Amerika aber drei spezielle Westernpferderassen, die von ihrere genetischen Veranlagung her den Ansprüchen dem Westernreiter bestmöglichst gerecht werden.
Das Quarter Horse ist mit fast vier Millionen registrierten Pferden die am weitesten verbreitete Pferderasse der Welt.
Das Paint Horse ist ein geschecktes Pferd mit Quarter-Horse-Ahnen und Quarter-Horse-Exterieur.
Die Appaloosas gehen auf die Zucht der Nez-Percé-Indianer im Nordwesten der USA zurück.
Horsemanship
Horsemanship ist ein überlieferter Verhaltenskodex für Westernreiter. Man bemüht sich, sein Pferd möglichst artgerecht zu halten und zu behandeln. Ziel ist es ein Vertrauensverhältnis zu seinem Pferd auf zu bauen. Horsemanship heisst auch, niemals etwas von seinem Partner Pferd zu verlangen, was es nicht gelernt hat. Wichtig ist beim Westernpferd auch das Handling, also die Handhabung vom Boden. Das Pferd muss ruhig stehenbleiben, sich leicht führen lassen und auf die Stimme hören. Solch eine Ausbildung erhöht die Sicherheit und ein guterzogenes Pferd macht erst noch viel mehr Spass.
Ausrüstung von Pferd und Reiter
Im Gelände und beim Training kleidet sich der Westernreiter möglichst zweckmässig und bequem. Lange Hosen (z.B. Jeans), festes Schuhwerk mit Absatz und ein T-Shirt genügen vollauf.
Am Turnier ist eine saubere und ordentliche Kleidung im Westernsttil vorgeschrieben. Westernstiefel und Hut sind Pflicht und auch ein langärmeliges Hemd und saubere Jeans, eventuell auch Chaps (lederne Überhosen) gehören dazu. Dabei sind der Phantasie mittlerweile kaum mehr Grenzen gesetzt.
Westernsättel gibt es in vielen Variationen. Gemeinsam ist ihnen ein Baum aus Holz oder Kunststoff, der den relativ grossen und schweren Sattel auf dem Pferderücken optimal verteilt und ihn so auch für lange Ritte ideal für Pferd und Reiter macht.
Als Zäumung trägt das junge Pferd einen Zaum mit Wassertrense - dem sogenannten "Snaffle Bit" - oder ein Bosal, eine gebisslose Zäumung aus Rohhaut. Das ältere Pferd wird dann einhändig mit Kandare, dem "Bit", geritten.
Die Zügel sind entweder ein "Romal", ein geschlossener Zügel aus Rohhaut oder Leder, der nur bei einhändiger Zügelführung zum Einsatz kommt - oder "Split Reins", also offene Lederzügel, die je nach Zäumung ein- oder zweihändig geführt werden.
Turnierdisziplinen
Trail: Dies ist eine Gehorsamsprüfung mit mindestens sesch verschiedenen Hindernissen, wovon drei vorgeschrieben sind - das Durchreiten eines Tores, Rückwärtstreten und das Übertreten von vier Stangen im Schritt, Jog oder Lope. Zu den Wahlhindernissen können eine Brücke, das Tragen eines Gegenstandes oder das Ground Tying (Pferd stehenlassen ohne anzubinden) gehören. Das ideale Trailpferd ist ruhig aber aufmerksam, es überwindet die Hindernisse ohne zu zögern und bleibt gleichmässig in jeder Gangart.
Pleasure: Hier werden die drei Gangarten Walk (Schritt), Jog (langsamer flacher Trab) und Lope (Arbeitsgalopp) beurteilt. Alle Pferde sind gleichzeitig in der Arena und werden auf linke und rechte Hand vorgestellt. Das ideale Pleasure-Pferd geht taktrein und gleichmässig in allen drei Gangarten. Es ist bequem zu sitzen, reagiert auf die leichtesten Hilfen und präsentiert sich in seiner natürlichen, zu seinem Gebäude passenden Aufrichtung.
Western Horsemanship: In dieser Disziplin wird der Reiter bewertet. Sein Sitz soll korrekt und seine Hilfen präzise, aber kaum sichtbar, sein. Das Pattern (Muster, das geritten werden muss) wird vom Richter bestimmt, anschliessend folgt das Railwork (eine Art Pleasure).
Reining: (to rein = zügeln) Dies ist eine schnell Dressurprüfung im Galopp, die seit 2001 FEII-Disziplin ist. Es werden fliegende Galoppwechsel, Spins (360°-Wendungen um die Hinterhand), Rollbacks (180°-Wendungen), Sliding Stops (Gleiten auf der Hinterhand) und Back (Rückwärtsrichten) verlangt. Grosse, schnelle und kleine, langsame Zirkel sollen präzise und ohne Zügelanlehnung geritten werden (speed control). Ein gutes Tempo wird honoriert, das Pferd soll jedoch unter ständiger Kontrolle des Reiters sein. Die verschiedenen Reining Patterns sind im Regelbuch vorgeschrieben.
Western Riding: Dies ist eine ruhige, gleichmässig gerittene, elegant wirkende Galoppwechselprüfung. Es stehen verschieden Pattern zur Auswahl, die je sieben bis acht fliegende Galoppwechsel vorschreiben. Dazu gehört eine Stange, die einmal im Jog und einmal im Lope überwunden werden muss. Am Schluss erfolgt das Anhalten und Rückwärtsrichten. Beurteilt werden die Ausführung des Patterns und die Qualität der Gänge, insbesondere der Galoppwechsel. Das Pferd sollte das Pattern in gleichbleibendem Tempo absolvieren und dabei durchlässig und aufmerksam sein.
Superhorse: Diese Prüfung ist eine Kombination aus Trail, Pleasure, Western Riding und Reining. Die SWRA kennt drei verschiedene Superhorse-Pattern. Diese Prüfung zeichnet ein echtes Allaround-Pferd aus.
Showmanship at Halter: Hier wird das Pferd an der Hand vorgestellt, anhand eines vom Richter vorgeschriebenen Patterns. Bewertet werden die Exaktheit des Patterns, aber auch der Vorführer (Kleidung, Aufmerksamkeit usw.) und das Pferd. Letzteres soll sauber geputzt und gesund sein. Das Showhalfter muss korrekt sitzen und ebenfalls gepflegt aussehen. Der Vorführer soll das Pferd beim Set-up richtig platzieren und dem Richter freie Sicht auf das Pferd gewähren.